Die AfD hat sich in weniger als zwölf Jahren von einer eurokritischen Partei zu einer der stärksten politischen Kräfte in Deutschland entwickelt.
Während die Partei in Umfragen bundesweit auf über 20 Prozent klettert und in Ostdeutschland teils stärkste Kraft wird, stellt sich eine zentrale Frage: Ist der AfD-Erfolg nur ein Symptom bestehender gesellschaftlicher Krisen oder verschärft die Partei diese Probleme sogar selbst?

Die Antwort ist nicht so einfach – die AfD ist beides: ein Symptom gesellschaftlicher Verunsicherung und ein Verstärker politischer Krisen. Wirtschaftliche Unsicherheit, Migrationsdebatten und das Gefühl politischer Machtlosigkeit haben ihren Aufstieg möglich gemacht.
Gleichzeitig schürt die Partei diese Spannungen durch gezielte Polarisierung und ihre radikale Rhetorik.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Dimensionen des AfD-Erfolgs. Vom starken Rückhalt im Osten über die zugrundeliegenden Krisen bis zu den gesellschaftlichen Folgen – wir schauen, was die Partei stark macht und wie die etablierten Parteien darauf reagieren.
AfD-Erfolg: Zwischen Symptom und Ursache der Krise

Der AfD-Erfolg entsteht aus einem ziemlich komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Gesellschaftliche Krisen bereiten den Boden für populistische Bewegungen und mobilisieren durch Ängste und Unsicherheiten die Wählerschaft.
Politische und gesellschaftliche Krisen als Nährboden
Wirtschaftliche Unsicherheiten bilden einen der wichtigsten Gründe für den AfD-Erfolg. Menschen mit weniger angesehenen Berufen greifen häufiger zur AfD.
Die Partei zieht besonders dann, wenn Leute sich am Arbeitsplatz entfremdet fühlen oder keine Mitbestimmung erleben. Auch das Gefühl, politisch nicht vertreten zu sein, spielt eine große Rolle.
Studien zeigen: Wer einen monotonen, fremdbestimmten Job hat, stimmt der AfD überdurchschnittlich zu. Unzufriedenheit mit dem Betriebsrat? Da steigt die Zustimmung auf satte 35 Prozent.
Ostdeutschland bleibt eine Hochburg der Partei. Viele Menschen fühlen sich von den etablierten Parteien einfach nicht verstanden – das schweißt zusammen.
Die Ampel-Krise hat das alles noch verschärft. Politische Instabilität und hektische Regierungspolitik treiben Leute zu Alternativen.
Populismus und Polarisierung in der Mitte der Gesellschaft
Der gesellschaftliche Wandel hat rechte Positionen in Deutschland normalisiert. Was früher undenkbar war, landet heute auf dem Tisch.
Die AfD nutzt diese Entwicklung gezielt aus:
- Einfache Antworten auf komplizierte Fragen
- Polarisierende Angriffe aufs „Establishment“
- Emotionale Mobilisierung statt nüchterner Debatte
Gerade in Krisenzeiten funktioniert Populismus. Die Partei inszeniert sich als einzige Alternative zum System.
Mittlerweile wächst die AfD über ihre ursprüngliche Klientel hinaus. Sie gewinnt erstmals in westdeutschen Kreisen wie Gelsenkirchen und Kaiserslautern. Auch bei Frauen legt sie zu.
Die Rolle von Ängsten und Unsicherheiten
Existenzielle Ängste treiben viele Wähler zur AfD. Wirtschaftliche Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen setzen den Menschen zu.
Wichtige Angstfelder sind:
- Arbeitsplatzunsicherheit
- Abstiegsängste der Mittelschicht
- Kulturelle Veränderungen
- Gefühl von Kontrollverlust über das eigene Leben
Die Partei greift diese Ängste gezielt auf und sucht Sündenböcke. Komplexe Probleme bekommen einfache Erklärungen.
Deutschland steckt in einer Vertrauenskrise. Viele fühlen sich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Die AfD springt in diese Lücke und verspricht, „das Volk“ zu vertreten.
Regionale Schwerpunkte: Wahlerfolge in Ostdeutschland

Die AfD hat sich in allen fünf ostdeutschen Flächenländern als stärkste Kraft etabliert. Besonders in Thüringen zeigt sich eine sehr eigene politische Dynamik.
Sachsen und Brandenburg entwickeln sich unterschiedlich, aber beide landen regelmäßig hohe AfD-Ergebnisse.
Thüringen: Politische Dynamik und Wahlergebnisse
In Thüringen erzielt die AfD deutschlandweit ihre besten Ergebnisse. Bei der letzten Bundestagswahl wurde sie dort sogar zur dominierenden Kraft.
Die politische Landschaft hat sich komplett verschoben. Strukturschwache Regionen liefern besonders hohe AfD-Anteile.
Das hängt eng mit Demografie und Bildungsstand zusammen.
Statusangst spielt eine große Rolle. Viele Wähler fühlen sich von den klassischen Parteien nicht mehr vertreten. Die regionale Grundversorgung ist in vielen Gegenden schlechter geworden.
Die Überalterung einiger Kreise verschärft das Problem.
Sachsen und Brandenburg: Vergleich der AfD-Erfolge
Sachsen und Brandenburg holen beide starke AfD-Ergebnisse, aber auf unterschiedliche Weise. In Sachsen punktet die Partei besonders in ländlichen und strukturschwachen Gebieten.
Brandenburg zeigt ein ähnliches Bild. Regionale Ungleichheiten wirken hier besonders stark.
Die Unzufriedenheit mit der Demokratie wächst in beiden Ländern.
Beide Bundesländer stehen womöglich an einem Kipppunkt. Der wirtschaftliche Erfolg der letzten 30 Jahre nach der Wende könnte gefährdet sein. Die politische und soziale Polarisierung nimmt zu.
Städte im Fokus: Leipzig und München im Kontext
Leipzig als ostdeutsche Großstadt zeigt ein anderes Bild. Hier schneidet die AfD deutlich schlechter ab als im Umland.
Das liegt wohl am höheren Bildungsniveau und einer jüngeren Bevölkerung.
München als westdeutsche Vergleichsstadt hat noch niedrigere AfD-Werte. Aber der Westen holt beim Zuspruch langsam auf.
Die städtisch-ländliche Spaltung ist in beiden Regionen spürbar. Großstädte sind weniger anfällig für Rechtspopulismus. Ländliche Gegenden mit schwacher Infrastruktur bleiben dagegen besonders gefährdet.
Ursachen des AfD-Erfolgs: Krisen und gesellschaftliche Veränderungen
Verschiedene Krisen haben den AfD-Aufstieg verstärkt. Migration spaltet die Gesellschaft, die Pandemie hat das Vertrauen in die Politik geschwächt, wirtschaftliche Unsicherheit wächst durch den Krieg, und der Klimawandel sorgt für neue Konflikte.
Migration und gesellschaftliche Polarisierung
Migration bleibt das zentrale Thema der AfD. Sie spielt gezielt mit der Angst vor Überfremdung.
Studien belegen klare Zusammenhänge: Kreise mit hohem Ausländeranteil wählen häufiger AfD, vor allem im Westen.
Die Partei vereinfacht komplexe Probleme. Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Wohnungsmangel – alles wird der Migration zugeschrieben.
Drei Faktoren verstärken das Ganze:
- Mediale Berichte über Einzelfälle
- Soziale Medien verbreiten Falschinformationen rasant
- Persönliche Kontakte zwischen Deutschen und Migranten fehlen oft
Im Osten reicht schon die Angst vor Migration, um Menschen zu mobilisieren. Dort leben zwar wenige Ausländer, aber die AfD ist besonders stark.
Pandemie, Corona und ihre Langzeitfolgen
Corona hat die Politiklandschaft verändert. Zuerst stärkte die Pandemie die Regierung, dann kam der Rückschlag.
Lockdowns spalteten die Gesellschaft. Viele empfanden die Grundrechtseinschränkungen als zu hart.
Die AfD stellte sich früh als Widerstandspartei auf. Sie sprach von „Corona-Diktatur“ und warb um enttäuschte Bürger. Demonstrationen gegen die Maßnahmen brachten neue Anhänger.
Langzeitfolgen der Pandemie:
- Weniger Vertrauen in Experten und Medien
- Wirtschaftliche Sorgen durch Inflation
- Psychische Belastungen führen zu Protestwahl
Die Impfpflicht-Debatte heizte das zusätzlich an. Impfgegner fanden in der AfD eine politische Heimat. Die Querdenker-Bewegung und die Partei befeuerten sich gegenseitig.
Krieg und wirtschaftliche Unsicherheit
Der Ukraine-Krieg schiebt den AfD-Erfolg weiter an. Energiepreise explodieren. Die Inflation drückt viele Haushalte.
Die Partei nutzt diese Ängste geschickt. Sie kritisiert die Russland-Sanktionen scharf. „Deutschland first“ – das kommt an.
Wirtschaftliche Faktoren helfen der AfD:
- Hohe Energiekosten treffen Geringverdiener
- Industriearbeitsplätze wackeln
- Der Mittelstand kämpft mit steigenden Kosten
Gerade in strukturschwachen Regionen wirkt das. Dort ist die Abstiegsangst ohnehin groß. Der Krieg macht es schlimmer.
Die Friedensrhetorik der AfD klingt für viele verlockend. Komplexe geopolitische Zusammenhänge werden ganz simpel erklärt.
Ökologische Transformation und Klima als Konfliktfelder
Die Klimapolitik steht plötzlich ganz oben auf der Agenda der AfD. Sie leugnet den menschengemachten Klimawandel oder spielt ihn herunter.
Gerade die ökologische Transformation bringt viele Wähler auf die Barrikaden. Verbrenner-Aus, Heizungsgesetz, CO2-Preise – das alles erscheint wie Bevormundung.
Viele Menschen in Industrieregionen fürchten den Strukturwandel. Arbeitsplätze in Kohle, Stahl und Automobil geraten ins Wanken. Die AfD verspricht, genau diese Jobs zu retten.
Klimapolitik als Konfliktfeld:
- Die Kosten treffen ärmere Haushalte besonders hart.
- Ländliche Regionen fühlen sich oft abgehängt.
- Es gibt einen Generationenkonflikt um die Zukunft.
Die Partei stellt Ökologie gegen Ökonomie. Sie malt Umweltschutz als Luxusproblem an die Wand. Gerade Menschen mit existenziellen Sorgen greifen diese Botschaft auf.
AfD-Politiker spielen gezielt regionale Unterschiede aus. In betroffenen Gemeinden gehen sie gegen Windkraftanlagen vor. Fahrverbote bringen viele Pendler gegen Klimaschutzmaßnahmen auf.
Parteipolitische Reaktionen und Strategien
Die großen Parteien suchen nach Wegen, um den AfD-Erfolg zu stoppen. Friedrich Merz und die CDU setzen auf klare Abgrenzung. Andere Parteien probieren im Bundestagswahlkampf verschiedene Ansätze.
CDU und Friedrich Merz: Umgang mit der AfD
Friedrich Merz hat als CDU-Chef eine klare Haltung gegen die AfD gezeigt. Die Union schließt jede Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. Diese Brandmauer gilt im Bund und in den Ländern.
Die CDU will verlorene Wähler zurückholen. Merz rückt konservative Themen in den Mittelpunkt. Migration und innere Sicherheit spielen dabei eine große Rolle. Die Partei möchte zeigen, dass sie eine echte Alternative zur AfD bleibt.
Gerade in Ostdeutschland zählt diese Strategie besonders. Dort ringt die CDU um ihre Position gegen eine starke AfD. Merz betont immer wieder, dass seine Partei die demokratische Alternative ist.
Reaktionen anderer Parteien im Bundestagswahlkampf
Die SPD setzt auf soziale Themen. Sie will zeigen, dass sie die Sorgen der Arbeiter ernst nimmt. Gewerkschaftsnahe Studien stützen diesen Kurs.
Die Grünen legen den Fokus auf Aufklärung über rechte Strategien. Sie warnen vor der Normalisierung rechter Positionen. Ihre Basis macht lautstark gegen die AfD mobil.
Die FDP hebt demokratische Werte und den Rechtsstaat hervor. Sie will sich als liberale Alternative präsentieren. Die Linke wiederum nimmt die Wirtschaftspolitik ins Visier und sieht sie als Ursache für den AfD-Zulauf.
Gemeinsame Strategien der demokratischen Parteien:
- Keine Koalition mit der AfD.
- Aufklärung über rechte Inhalte.
- Eigene Anhänger mobilisieren.
Bedeutung des Verfassungsschutzes
Der Verfassungsschutz beobachtet Teile der AfD als Verdachtsfall. Das hat politische Folgen. Die AfD bekommt dadurch weniger Zugang zu öffentlichen Ämtern.
Vor allem radikale Landesverbände stehen unter Beobachtung. In Thüringen, Sachsen und Brandenburg gilt die AfD als gesichert rechtsextremistisch. Das beeinflusst die politische Debatte spürbar.
Andere Parteien greifen diese Einschätzungen im Wahlkampf auf. Sie verweisen auf Berichte des Verfassungsschutzes, um vor der AfD zu warnen. Die AfD wiederum wirft der Behörde politische Motive vor.
Die Rolle des Verfassungsschutzes bleibt umstritten. Kritiker fürchten eine Politisierung der Behörde. Befürworter sehen darin einen wichtigen Schutz für die Demokratie.
Gesellschaftliche Implikationen und Zukunftsperspektiven
Der Aufstieg der AfD hat Deutschlands demokratische Strukturen und das gesellschaftliche Miteinander spürbar verändert. Diese Entwicklungen wirken sich schon jetzt auf die Politik aus und werden langfristig neue Herausforderungen bringen.
Einfluss des AfD-Erfolgs auf die Demokratie in Deutschland
Die AfD verändert die Demokratie in Deutschland auf mehreren Ebenen. Ihre antidemokratischen Haltungen und rechtspopulistischen Positionen verschieben gesellschaftliche Grenzen.
Institutionelle Schwächung zeigt sich beim Vertrauen in politische Akteure. Besonders Menschen in Armut verlieren das Vertrauen ins System. Das untergräbt die Legitimität der Demokratie.
Die Partei nutzt Krisen wie die Corona-Pandemie oder den Ukraine-Krieg gezielt aus. Sie streut Verschwörungsmythen und ignoriert Fakten. Damit schafft sie einen Nährboden für antidemokratische Ideen.
Polarisierung der Gesellschaft nimmt durch die Anti-Establishment-Haltung der AfD zu. Die Partei baut einen Gegensatz zwischen „Volk“ und „Elite“ auf. Politik, Medien und Justiz stoßen auf genauso viel Misstrauen wie Zuwanderung.
Mögliche politische und gesellschaftliche Entwicklungen
Verschiedene Szenarien für Deutschlands Zukunft liegen auf dem Tisch. Seit der letzten Bundestagswahl hat die AfD ihren Rückhalt auf über 20 Prozent verdoppelt.
Radikalisierung der Politik lässt sich schon in den Wahlprogrammen ablesen. Die Partei fordert die Rückkehr zum Verbrennungsmotor, neue Kohle- und Kernkraftwerke und stellt sogar EU und NATO infrage. Ein „Dexit“ taucht ebenfalls auf ihrer Agenda auf.
Andere Parteien stehen vor der Aufgabe, auf populistische Themen zu reagieren, ohne extremistische Positionen zu übernehmen.
Gesellschaftliche Spaltung nimmt zu, weil AfD-Positionen normaler werden. Früher galt es als Tabu, rechtspopulistische Parteien zu unterstützen. Heute hat sich das gesellschaftliche Klima spürbar verändert.
Schon jetzt zeigen sich die Folgen: Ablehnung, Angst und Abwanderungspläne bestimmen das Lebensgefühl in manchen Regionen.
Langfristige Herausforderungen für Politik und Gesellschaft
Deutschland kämpft mit strukturellen Problemen, die Rechtspopulismus anheizen. Hier helfen nur langfristige Lösungen, auch wenn das manchmal frustrierend langsam vorangeht.
Wirtschaftliche Ungleichheit bleibt ein großes Thema. Die Armutsquote liegt heute sogar höher als noch vor der Pandemie.
Zwischen 2010 und 2019 ist der finanzielle Rückstand von Haushalten unter der Armutsgrenze um ein Drittel gestiegen. Das ist schon ziemlich deutlich.
Wer gesellschaftlich abgehängt ist, verliert schnell das Vertrauen in demokratische Prozesse. Armut schränkt die Teilhabe ein – das merkt man bei alltäglichen Dingen und auch beim Wohnen.
Statusängste machen sich vor allem in der Mittelschicht breit. Viele Menschen fürchten, sozial abzurutschen, selbst wenn sie eigentlich nicht betroffen sind.
Das Aufstiegsversprechen klingt für viele irgendwie unerreichbar. Wer glaubt da noch dran?
Die Politik sollte betriebliche Demokratie und Erwerbsarbeit stärken. Nur wenn Menschen echte Selbstwirksamkeit erleben, lassen sich antidemokratische Tendenzen zurückdrängen.
Eine Repräsentationskrise verlangt nach neuen Wegen in der politischen Kommunikation. Viele empfinden staatliche Institutionen als abgehoben.
Das öffnet Tür und Tor für populistische Vereinfachungen. Komplexe Probleme lassen sich eben nicht immer so leicht erklären – aber wer hört das schon gern?




