KMU und Bankkredite: Warum Fremdkapital an Bedeutung verliert

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Nur noch 23 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland nutzen Bankkredite zur Investitionsfinanzierung. Im Jahr 2004 waren es noch 40 Prozent. Der Bankkredit bleibt damit zwar die wichtigste externe Geldquelle des Mittelstands, verliert aber seit zwei Jahrzehnten stetig an Gewicht.

Eine Unternehmerin betrachtet nachdenklich Finanzunterlagen, während sie sich mit einer Bankberaterin über eine mögliche Finanzierung berät.

Auffällig ist: Der Rückzug kommt von den Unternehmen selbst. Die Banken schränken ihr Angebot nicht flächendeckend ein. Viele Betriebe entscheiden sich bewusst gegen Fremdkapital, weil sie Schulden vermeiden wollen, weil das Eigenkapital reicht oder weil der Aufwand für sie in keinem Verhältnis zum Nutzen steht.

Wer bei KMU und Bankkredite den Zusammenhang zwischen Kreditzurückhaltung und Investitionsstau verstehen will, muss zwei Dinge trennen: die Frage, ob ein Kredit verfügbar wäre, und die Frage, ob das Unternehmen ihn überhaupt will. Genau an dieser zweiten Stelle hat sich in den letzten Jahren am meisten verändert.

Nach der Lektüre können Sie einschätzen, ob Ihre eigene Zurückhaltung wirtschaftlich begründet ist oder ob Sie damit Wachstumschancen liegen lassen.

Wie stark ist die Kreditnachfrage kleiner Unternehmen gesunken?

Eine Kleinunternehmerin prüft gemeinsam mit einem Bankberater Finanzunterlagen und wirkt bei der Kreditaufnahme zurückhaltend.

Der Rückgang zieht sich über zwanzig Jahre und beschleunigt sich seit 2014. Dabei muss man zwei Kennzahlen unterscheiden: den Anteil der Betriebe, die tatsächlich einen Kredit nutzen, und den Anteil, der überhaupt bereit wäre, mit einer Bank zu verhandeln.

Von 40 auf 23 Prozent: Die langfristige Entwicklung

Im Jahr 2004 finanzierten 40 Prozent der KMU ihre Investitionen zumindest teilweise über Bankkredite. 2023 waren es 23 Prozent. Damit hat sich die Neigung zur Kreditfinanzierung in zwei Jahrzehnten fast halbiert.

Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei Handwerksbetrieben, im Einzelhandel und in der Gastronomie. In diesen Branchen gibt es viele kleine Betriebe mit überschaubaren Investitionssummen.

Interessant ist ein Gegeneffekt: Kleine Unternehmen greifen zwar seltener zum Kredit. Wenn sie es tun, decken sie damit aber einen größeren Anteil ihres Investitionsprojekts ab.

Insgesamt liegt der kreditfinanzierte Anteil aller KMU-Investitionen bei rund 32 Prozent. Dieser Wert hat sich seit 20 Jahren kaum verändert.

Kreditanteil und Kreditbereitschaft sind nicht dasselbe

Die zweite Zahl fällt noch schärfer aus. Laut KfW-Mittelstandspanel sind nur 27 Prozent der Mittelständler grundsätzlich bereit, für eine Investition einen Bankkredit aufzunehmen. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren.

Der Anteil der Unternehmen, die überhaupt Kreditverhandlungen führen, sank 2023 auf 25 Prozent. Im dritten Quartal 2025 sprachen nur 19,5 Prozent der KMU mit ihrer Bank über eine Finanzierung.

Diese Lücke ist aussagekräftig: Viele Betriebe fragen gar nicht erst nach. Von einer Kreditklemme lässt sich deshalb kaum sprechen, denn die Bremse liegt auf der Nachfrageseite.

Warum verzichten kleine KMU auf Bankkredite?

Eine Unternehmerin prüft in ihrem Büro nachdenklich verschiedene Finanzierungsoptionen, während im Hintergrund ihr kleines Team arbeitet.

Die Gründe liegen selten in abgelehnten Anträgen. Solide Eigenkapitalquoten, das Alter vieler Inhaberinnen und Inhaber sowie der Aufwand des Antragsprozesses erklären den größten Teil des Rückgangs.

Schuldenvermeidung und der Wunsch nach Unabhängigkeit

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wollen niemandem Rechenschaft schulden. Ein Kredit bedeutet feste Raten, Berichtspflichten und im Zweifel Gespräche mit der Bank über Zahlen, die man lieber für sich behält.

In Gesprächen mit Handwerksbetrieben fällt oft derselbe Satz: „Was ich nicht bar bezahlen kann, kaufe ich nicht.“ Dahinter steckt die Erfahrung aus Krisenjahren, in denen laufende Tilgungen bei einbrechenden Umsätzen zum Problem wurden.

Nach der Zinswende ab Sommer 2022 hat sich diese Haltung verstärkt. Höhere Zinssätze machen den Verzicht auf Fremdkapital für viele zur naheliegenden Rechnung.

Eigenkapital als bevorzugte Investitionsquelle

Der Mittelstand steht finanziell stabil da. Die Eigenkapitalquoten sind über Jahre gestiegen, die Gewinne der vergangenen Jahre lagen hoch, und viele Betriebe haben Rücklagen aufgebaut.

Wenn genug Geld auf dem Konto liegt, wirkt ein Kreditantrag umständlich. Die Innenfinanzierung kostet keine Zinsen, verlangt keine Sicherheiten und keinen Termin bei der Hausbank.

Das hat allerdings einen Haken: Eigenkapital, das in einer Maschine steckt, fehlt als Puffer, wenn ein Großkunde später zahlt oder ein Auftrag platzt.

Alter der Inhaberschaft und ungelöste Nachfolgefragen

Die Inhaberinnen und Inhaber im deutschen Mittelstand werden älter. Wer mit Mitte sechzig noch keine Nachfolge geregelt hat, startet ungern ein Projekt mit zehnjähriger Kreditlaufzeit.

Die Folge ist ein stiller Investitionsstopp. Maschinen laufen länger als geplant, Fahrzeuge werden repariert statt ersetzt, und die Digitalisierung wartet auf die nächste Generation.

Dieser demografische Effekt erklärt einen erheblichen Teil des Nachfragerückgangs. Durch günstigere Zinsen lässt er sich kaum ausgleichen.

Bürokratie, Aufwand und fehlende Sicherheiten

Ein Kreditantrag über 60.000 Euro verlangt fast denselben Papierstapel wie einer über 600.000 Euro. Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen, Planzahlen und Sicherheitenbewertung: Für kleine Summen steht der Aufwand in einem schlechten Verhältnis zum Ergebnis.

Dazu kommt die Sicherheitenfrage. Dienstleister und Handelsbetriebe ohne Immobilien oder große Maschinenparks haben wenig zu bieten, was Banken als werthaltig anerkennen.

Verschärfte Eigenkapitalregeln für Banken im Zuge von Basel IV machen die Prüfung nicht einfacher. Wer einmal einen zähen Prozess erlebt hat, fragt beim nächsten Mal seltener nach.

Welche Folgen hat die Kreditzurückhaltung für Investitionen?

Wer nur aus eigener Kraft investiert, investiert kleiner und später. Genau das zeigt sich derzeit im Mittelstand: Beschäftigung und Umsätze sind stabil, die Investitionstätigkeit liegt trotzdem auf einem der niedrigsten Niveaus seit Beginn der Erhebungen.

Wachstumsvorhaben werden kleiner oder später umgesetzt

Das Investitionsbudget richtet sich nach dem Kontostand, nicht nach der Marktchance. Statt der Anlage, die den Ausstoß verdoppelt, wird die günstigere gekauft, die gerade so reicht.

Ein zweiter Effekt zeigt sich beim Zeitplan. Unternehmen stückeln Projekte und strecken sie über Jahre, damit der laufende Cashflow sie trägt. In dieser Zeit sind Wettbewerber mit Fremdkapital schon eine Stufe weiter.

Digitalisierung und Transformation brauchen oft externes Kapital

ERP-Systeme, Automatisierung und energieeffiziente Anlagen kosten viel auf einmal und zahlen sich erst über Jahre aus. Aus laufenden Einnahmen lassen sie sich kaum stemmen.

Wer solche Vorhaben aufschiebt, verschiebt auch die Einsparungen. Eine neue Heizungsanlage oder eine PV-Anlage senkt ab dem ersten Betriebsjahr die Kosten. Die Zinslast wäre in vielen Fällen niedriger als die eingesparten Energiekosten.

Banken und Förderbanken bewerten solche Vorhaben wohlwollend, wenn Sie konkret zeigen, welche Prozesse effizienter werden und welche Einsparung sich daraus in Euro ergibt.

Warum kleine Betriebe besonders betroffen sind

Kleine Unternehmen haben dünnere Puffer. Ein einzelnes Investitionsprojekt bindet bei ihnen einen viel größeren Anteil des verfügbaren Kapitals als bei einem Mittelständler mit 200 Beschäftigten.

Ihnen fehlt außerdem der Zugang zu Alternativen. Anleihen, Schuldscheindarlehen oder größere Beteiligungsrunden sind erst ab bestimmten Volumina realistisch.

Bleibt der Bankkredit ungenutzt, bleibt für viele kleine Betriebe nur die eigene Kasse. Damit hängt die Modernisierung direkt am Geschäftsverlauf der letzten zwölf Monate.

Wann ist Fremdkapital für ein KMU sinnvoll?

Fremdkapital lohnt sich, wenn die finanzierte Investition mehr einbringt, als sie an Zins und Tilgung kostet. Diese Rechnung entscheidet, nicht das Bauchgefühl gegenüber Schulden.

Investitionen mit kalkulierbarem Rückfluss finanzieren

Rechnen Sie vor dem Antrag durch, was die Anschaffung pro Jahr bringt. Eine Maschine, die 90.000 Euro kostet und jährlich 25.000 Euro zusätzlichen Deckungsbeitrag erwirtschaftet, trägt ihre Finanzierung selbst.

Gut geeignet sind Anschaffungen mit klarem Nutzen: zusätzliche Produktionskapazität, Fahrzeuge für neue Aufträge oder Anlagen mit messbarer Energieeinsparung.

Schwierig wird es bei Ausgaben ohne direkten Ertragsbezug. Für laufende Verluste ist ein Kredit die falsche Antwort, weil er das Problem nur verschiebt.

Liquidität für das operative Geschäft bewahren

Ein häufiger Fehler: Die Investition wird komplett aus Rücklagen bezahlt, danach fehlt das Geld für Material und Löhne. Dann springt der Kontokorrentkredit ein, zu deutlich höheren Zinsen als ein Investitionsdarlehen.

Sinnvoller ist es, die langfristige Anschaffung langfristig zu finanzieren und die eigene Liquidität als Reserve zu halten. Rechnen Sie mit einem Puffer von zwei bis drei Monatsumsätzen für den laufenden Betrieb.

Laufzeit, Tilgung und Risiko passend planen

Die Kreditlaufzeit sollte zur Nutzungsdauer passen. Ein Fahrzeug mit sechs Jahren Einsatzdauer gehört nicht in einen Zehnjahresvertrag, eine Halle nicht in einen Vierjahreskredit.

Prüfen Sie diese Punkte vor der Unterschrift:

  • Tilgungsfreie Anlaufzeit: Läuft die Investition erst nach einigen Monaten an, hilft eine Anlaufphase ohne Tilgung.
  • Sondertilgungsrecht: Erlaubt es, in guten Jahren schneller zu entschulden.
  • Zinsbindung: Feste Zinsen geben Planungssicherheit über die gesamte Laufzeit.
  • Belastungsgrenze: Die Jahresrate sollte auch bei 20 Prozent Umsatzrückgang tragbar bleiben.

Welche Finanzierungsalternativen kommen infrage?

Zwischen Eigenkapital und klassischem Bankdarlehen liegen mehrere Wege, die für kleine Betriebe oft besser passen. 86 Prozent der KMU beschäftigen sich inzwischen mit Alternativen zum Bankkredit.

Förderkredite und öffentliche Bürgschaften

Förderkredite der KfW und der Landesförderbanken laufen über Ihre Hausbank. Sie bieten aber günstigere Zinsen, längere Laufzeiten und tilgungsfreie Anlaufjahre. Für Digitalisierung, Energieeffizienz und Nachfolge gibt es eigene Programme.

Wenn Sicherheiten fehlen, springen Bürgschaftsbanken ein. Sie übernehmen einen Teil des Ausfallrisikos gegenüber der Bank und machen dadurch Projekte finanzierbar, die diese sonst ablehnen würde.

Wichtig: Den Förderantrag müssen Sie vor Beginn der Maßnahme stellen. Wer die Maschine schon bestellt hat, verliert den Anspruch.

Leasing und Mietkauf für Maschinen und Fahrzeuge

Leasing schont die Liquidität, weil Sie statt der Kaufsumme eine monatliche Rate zahlen. Das Objekt dient dabei als Sicherheit, weshalb die Prüfung meist schlanker ausfällt als bei einem Kredit.

Beim Mietkauf gehört das Objekt am Ende Ihnen und wird bei Ihnen bilanziert. Das lohnt sich besonders bei Maschinen mit langer Nutzungsdauer.

Vergleichen Sie die Gesamtkosten über die Laufzeit, nicht nur die Monatsrate. Restwertklauseln und Wartungspakete können das Ergebnis deutlich verändern.

Factoring, Beteiligungskapital und alternative Finanzierung

Beim Factoring verkaufen Sie Ihre Rechnungen und erhalten das Geld innerhalb weniger Tage. Das hilft besonders bei langen Zahlungszielen im B2B-Geschäft und deckt zugleich das Ausfallrisiko ab.

Beteiligungskapital passt bei Wachstum, Nachfolge oder Innovationsprojekten. Mittelständische Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer bieten stille Beteiligungen an, ohne sich in das Tagesgeschäft einzumischen.

Kreditplattformen und Fintechs prüfen digital und entscheiden oft innerhalb weniger Tage. Achten Sie auf den effektiven Jahreszins, denn die Bequemlichkeit hat ihren Preis.

Strategisch finanzieren statt Kredite pauschal meiden

Der Rückgang von 40 auf 23 Prozent zeigt eine bewusste Entscheidung des Mittelstands und keine verschlossene Banktür. Solide Eigenkapitalquoten, Nachfolgefragen und der Antragsaufwand erklären den Trend besser als jede Angebotsverknappung.

Für Ihren Betrieb heißt das: Prüfen Sie jede Investition einzeln. Wenn der jährliche Rückfluss über den Finanzierungskosten liegt und die Rate auch bei schwächerem Umsatz tragbar bleibt, kann Fremdkapital für Sie arbeiten.

Bevor Sie das nächste größere Projekt aus Rücklagen bezahlen, holen Sie zwei Angebote ein: eines von Ihrer Hausbank mit Förderkredit und eines vom Leasinggeber. Der Vergleich dauert wenige Wochen und zeigt in Euro, was Sie der Verzicht auf Fremdkapital kostet.

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Katharina Berger
Katharina Berger

Katharina widmet sich als Hobbyautorin Themen rund um Gesellschaft und Lifestyle. Sie liebt es, Trends zu entdecken und verständlich aufzubereiten.